GZ_Kals_2022_04

Fodn Nr. 80 22 Informationen aus der Gemeinde Kalser Gemeindezeitung 23 Bericht Energie Austria Der Ausstieg aus Heizöl, Kohle und Flüssiggas bzw. Erdgas ist bis zum Jahr 2035 bzw. 2040 fixiert. Mit dem Ziel-Szenario „TIROL 2050 energieautonom“ gibt es dazu einen klaren Fahrplan, wie es gelingen kann, den Energiebedarf vollständig aus erneuer- baren heimischen Energieträgern zu decken. Gerade im Gebäudebereich wird der größte Anteil unserer Energie verbraucht, daher sollen die Gebäude in Ti- rol um 31 % effizienter werden, dazu werden Wärme- pumpen, Fernwärme und Pellets in der Raumwärme zu Anwendung kommen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse macht dies doppelt Sinn. In der Raumwärme haben wir bereits jetzt in 9 von 10 Fällen alltagstaugliche und kostengünstige Lösun- gen abseits von Öl und Gas. Was kann ich kurzfristig machen? Ein Grad weniger Raumtemperatur spart 6 % Ener- gie, vor allem in nicht genutzten Räumen liegt viel Einsparpotential. Bereits vorhandene, abgenutzte Dichtungen alter Fenster und Türen können Zugluft und hohe Wärmeverluste verursachen und sollten erneuert werden. Die Heizungs- und Warmwasser- rohrleitungen im Heizraum und Keller sollten unbe- dingt gedämmt werden. In einemdurchschnittlichen Heizraum sind 35 Meter Rohrleitung verbaut. Sind diese ungedämmt, geht dabei die Menge an Heiz- wärme verloren, mit der etwa zwei Kinderzimmer beheizt werden können. Neben der Heizung ist auch das Warmwasser relevant beim Energieverbrauch. Jetzt ist ein optimaler Zeitpunkt, um die 20 Jahre alte Badarmatur gegen ein wassersparendes Modell zu tauschen. Grundsätzlich sollte die Temperatur im Warmwasserspeicher nicht über 55 Grad betragen, mit geringen Temperaturen wird nicht nur Energie gespart, auch die Kalkabscheidung reduziert. Was sollte ich als Erstes berücksichtigen? Ein thermisch saniertes Gebäude verbraucht 50 % bis 75 % weniger Energie. So lässt sich bereits un- abhängig vom Energieträger eine erhebliche Menge Energie und somit jährliche Heizkosten einsparen – und man gewinnt Zeit für den Heizungstausch. Lei- der wird selten bedacht, dass gedämmte Gebäude wesentlich kleinere und somit günstigere Heizungs- anlagen benötigen. Im Idealfall gehören also ther- mische Sanierung und Heizungstausch zusammen. Diese thermischen Sanierungen fördert das Land Tirol mit einem 25%igen Einmalzuschuss. Werden zumindest drei Maßnahmen (zum Beispiel Fassa- de, Fenster und oberste Geschoßdecke) gleichzeitig durchgeführt und bestimmte Anforderungen an den Heizwärmebedarf erreicht, gewährt das Land den zusätzlichen Ökobonus in Abhängigkeit der Nutz- fläche des Gesamtobjektes bis maximal 18.150 Euro. Der Bund bietet mit dem Programm Sanierungs- scheck zusätzlich bis zu 6.000 Euro. Kann ich eine Wärmepumpe nutzen? Bei einer Heizungsvorlauftemperatur von bis zu 50 °C am kältesten Tag des Jahres ist die Wärmepum- pe das ideale Heizsystem für die Energieautonomie. Förderfähig sind momentan noch Vorlauftempera- turen bis 40° C. Egal ob Fußbodenheizung, Nieder- temperatur-Heizkörper oder Wandheizung – mit einem hydraulischen Abgleich und einem Heizkör- pertausch kann man viele Heizungsanlage dorthin optimieren. Und auch hier gilt: Wird ein Haus ge- dämmt, sinkt die Vorlauftemperatur der Heizung er- heblich. Vertrauen Sie bei der Planung und Installa- tion auf renommierte Betriebe und HerstellerInnen. Eine Liste finden Sie auf der Homepage des „Netz- werk Wärmepumpe Tirol“. Welche Förderungen kommen für meine Heizung infrage? Die Förderlage ist aktuell auf Landesebene über die Wohnbauförderung und diverse Sonderförderungen und beim Bund über das Programm „Raus aus Öl und Gas“ so gut wie noch nie. Das Land Tirol fördert den Austausch einer Heizanlage momentan mit 25 % der zu investierenden Kosten plus 3.000 Euro, der Bund bietet mit dem Programm „Raus aus Öl und Gas“ zusätzlich 7.500 Euro im Einfamilienhaus. Wie komme ich zur Landesförderung zum Heizungstausch? Antrag Wohnhaussanierung A5 (tirol.gv.at ) herun- terladen und ausfüllen. Haustechnik Abnahmebestätigung F97 (tirol.gv.at ) vom Installateur unterfertigen lassen. Die ausgefüllten Formulare inklusive der Rechnun- gen und Einzahlungsbestätigungen an die zustän- dige Bezirkshauptmannschaft übermitteln (zu den Einreichstellen). Der Zuschuss für klimafreundliches Heizsystem in Höhe von 3.000 Euro wird automatisch mitbean- tragt. Zu beachten ist auch, dass die Rechnung nicht älter als 18 Monate sein darf und der Förderantrag erst nach Fertigstellung erfolgt. Wie komme ich zur Bundesförderung „Raus aus Öl und Gas“? Registrierung über das Online-Formular für Ein- und Zweifamilienhaus, Reihenhaus: www.meinefoerde- rung.at/webforms/efh_hzt bzw. mehrgeschossigen Wie werde ich unabhängig? Mein Ausstieg aus Öl und Gas Wohnbau (ab drei Wohneinheiten): https://www. meinefoerderung.at/webforms/mgw_hzt. Hinweis: für das Abschließen der Förderung wird entweder ein Energieausweis oder das Beratungs- protokoll der Energie Tirol benötigt. Umsetzung des neuen Heizungssystems. Förderung abschließen und Antrag abschicken. Ab der Registrierung haben Sie 26 Wochen Zeit die neue Heizung umzusetzen um die Förderung abzu- holen, daher ist eine Terminplanung mit der aus- führenden Firma (Installateur) wichtig. Brauche ich für den Betrieb meiner Wärmepumpe eine Photovoltaikanlage? Nein, natürlich kann eine Wärmepumpe auch mit Strom aus dem Netz betrieben werden. Um die Energieautonomie zu unterstützen, empfiehlt es sich speziell im Einfamilienhaus auf eine Photovol- taikanlage zu setzen. Mit einer klassischen Anlage (7 kWp) lassen sich knapp die Hälfte des Strombedarfs für Wärmepumpe und Haushalt selbst erzeugen. Ein „mobiler“ Speicher in Form eines Elektroautos er- höht nochmals die Sinnhaftigkeit einer PV-Anlage und auch die Einspeisung ins Netz wird entgegen der allgemein bekannten Meinung fair vergütet. Eignet sich mein Dach für eine Photovoltaikanlage? Photovoltaikpaneele sind sehr tolerant, was deren Ausrichtung und Neigung angeht. Eine Neigung um die 15° bis 30° ist meist ideal. Weniger als 10° soll- ten es nicht sein. Ost- und West-Anlagen erzeugen mehr Strom in den Morgen- und Abendstunden als eine Süd-Anlage, diese wiederum bietet mehr Jah- resertrag. Welcher Anlagentyp optimal ist, lässt sich im Zuge einer Energieberatung klären. Wird meine Photovoltaikanlage auch gefördert? Auf Bundesebene gibt es mehrere Fördermodelle für Photovoltaikanlagen. Ebenso fördern verschie- dene Energieversorgungsunternehmen den Einsatz von solchen Systemen. Eine Übersicht finden Sie auf der Förderübersicht auf www.energie-tirol.at. Online-Infoabend: „Wie werde ich unabhängig? – Mein Ausstieg aus Öl und Gas“ Nicht nur aus aktuellem Anlass lohnt es sich auf Öl und Gas zu verzichten, auch mittelfristig ist der Aus- stieg fixieren. Wie kann ich den Energiebedarf mei- nes eigenen Gebäudes lokal, klimaschonend und vor allem kosteneffizient decken? Unser Mitarbeiter Ing. Michael Plattner hilft, diese Frage im Rahmen des kostenlosen Online-Infoabends zu beantworten und den Weg in die Energieautonomie zu skizzieren. Termine: Mo 28.03. 18:00, Di 05.04. 18:00, Di 12.04. 18:00 und Mi 20.04. 18:00.

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